14. December 2011

Jedes Jahr ist es im Grunde dasselbe. Man nimmt sich vor (meistens als Lehre aus dem Vorjahr), frühzeitig alle Geschenke zu besorgen, in der Adventszeit Kekse zu backen und das volle Deko-Programm zu fahren – und plötzlich ist es schon wieder Mitte Dezember. Weit und breit keine Weihnachtsstimmung in Sicht. Im Gegenteil. Eher Weihnachtsfrust als Weihnachtslust. Die Geschenkeliste ist natürlich nicht abgearbeitet. Bei einigen Personen hab ich ja nicht einmal eine Idee, was ich schenken soll. Und ob. Und überhaupt. In zehn Tagen ist Weihnachten. Was ist bloß wieder schief gelaufen?

Auf die Gefahr hin, wie eine alte Frau zu klingen: Früher war alles besser. Ich kam wie auf Kommando in Weihnachtsstimmung, hatte Freude an dem ganzen Kitsch und die Geschenke-Arie verlief immer ziemlich stressfrei. So war das auch dieses Jahr geplant. Ich plane ja gerne, machte also eine To-Do- (oder in diesem Fall To-Give-) Liste, und das schon extrem frühzeitig. Im Grunde habe ich schon im Sommer angefangen, mir Ideen zu notieren. Wenn mein Freund oder jemand aus meiner Familie eine Bemerkung zu etwas machte, was er toll fand und vielleicht irgendwann gerne mal hätte, landete das auf meiner Liste. (Ich meine selbstverständlich nur die erschwinglichen Dinge. Der Porsche und die Australienrundreise habe ich mir nicht aufgeschrieben. Ergo werden diese auch nicht unterm Baum liegen. Tut mir leid, Schatz.) Das lief auch alles ziemlich gut. Anfang Oktober hatte ich ideentechnisch eine fast 80%ige Personenabdeckung. Natürlich war Oktober noch zu früh, irgendwelche Dinge zu bestellen. Ein gutes Geschenk sollte im Zweifelsfall immer umtauschfähig sein. Also wartete ich mit dem Kauf noch. Und hab dann irgendwie den Absprung verpasst, um alles ohne Stress zu besorgen.

Seit Ende November sieht es in Hannover (und vermutlich auch dem Rest des Landes) so aus: Alles blinkt und glitzert, und die Menschen tummeln sich auf dem Weihnachtsmarkt und in den Geschäften. Weihnachtsfeiern soweit das Auge reicht. Deutlich mehr Spielzeug-, Schmuck- und Parfümwerbung im Fernsehen. Weihnachtslieder in den Kaufhäusern (Ich kann’s nicht mehr hören…), jeden Tag Kekse und Lebkuchen auf der Arbeit (byebye, Bikinifigur…), Glühwein mit Amaretto. Je weiter der Dezember fortschreitet, desto voller wird es in der Innenstadt und desto genervter wirken die Menschen, die mit Tüten beladen an überlasteten Kassen Schlange stehen. Und desto genervter werde auch ich. Ich meine, kennt Ihr den Grinch? Ich bin die Light-Version davon. Nur nicht so grün und haarig. Es fühlt sich einfach nicht so an, als wäre nächste Woche Weihnachten. Nicht einmal die Muppets Weihnachtsgeschichte funktioniert dieses Jahr. Dabei ist das ein Klassiker! Oder Makronen backen. Backen funktioniert bei mir immer! Vielleicht mache ich es nicht exzessiv genug? Oder Geschenke einpacken! Kein Effekt.

Meine Dezemberbilanz: Zu viel Stress, dauernd krank, viele Termine, zu wenig Schnee. Genauer gesagt: gar kein Schnee. Vielleicht ist das das Problem. Nicht der Geschenkemarathon oder der Weihnachtsdeko-Overkill. Also muss ich jetzt nur noch Petrus bestechen, damit er da oben ein paar Schneeflocken locker macht, und das Problem wäre erledigt. Game over für den Grinch, hallo Christkind. Irgendwer ‘ne Idee, wie ich an Petrus rankomme…?

2 Pingbacks für “Und plötzlich ist Weihnachten”

  1. [...] wie in jedem Jahr wieder schön stressig kurz vor Weihnachten. Aber mit diesem Problem, bin ich nicht der Einzige zu dieser [...]

  2. [...] Heute war ich nach der Arbeit in der Hannoveraner Innenstadt, um “kurz mal eben” noch ein paar Geschenke zu besorgen für liebe Anverwandte, Freunde und Wichtelgeschenkempfänger. Und angesichts dessen, [...]


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